Am 25. Oktober 2023 wurde bekannt, dass die Orbán-Regierung ab Januar 2024 eine signifikante Umstrukturierung des Wohnungsbau- und Familienförderungsprogramms plane. Kulturminister János Csák, der ebenfalls für die Familienpolitik zuständig ist, gab dies auf der Regierungspressekonferenz bekannt. Das bisherige CSOK-Programm, welches seit 2015 von mehr als 230.000 Familien in Anspruch genommen wurde, verfügte über ein Volumen von 754 Milliarden Forint und solle in kleinen Gemeinden, mit weniger als 5.000 Einwohnern, auch weiterhin verfügbar bleiben.

Mit der Schaffung des neuen Programms CSOK+ soll auf die veränderte Lage am Kreditmarkt und die hohen Zinsen reagiert werden. Aufgrund der hohen Zinsen sank in größeren Städten und vor allem in und um Budapest die Nachfrage nach dem bisherigen CSOK-Programm deutlich. CSOK+ legt nun einen deutlich stärkeren Fokus auf einen größeren Darlehensrahmen, welcher zu festen Zinssätzen von 3 Prozent aufgenommen werden können solle, was in etwa einem Drittel der aktuell am Kreditmarkt erhältlichen Angebote von 8-9 Prozent entspräche. Das neue Darlehen könne ausschließlich von jungen Ehepaaren in Anspruch genommen werden, in Abhängigkeit von der Anzahl der gewünschten Kinder mit Summen von 15, 30 oder 50 Millionen Forint und einer Laufzeit von 10-25 Jahren. Voraussetzungen für die Beantragung des Darlehens seien eine Eigenkapitalquote von 10 Prozent und ein monatliches Einkommen von mindestens einem Prozent der beantragten Kreditsumme. Eine Besonderheit dieser zinsvergünstigten Darlehen ist, dass die Rückzahlung des Darlehens nach der Geburt jedes Kindes für ein Jahr ausgesetzt wird und den Familien, von der Geburt des zweiten Kindes an, bei jedem Kind jeweils 10 Millionen Forint erlassen werden. Aufgrund der Aussetzung der Rückzahlungen, des ohnehin niedrigen Zinssatzes sowie der gewährten Erlassungen müssen die Familien im Endeffekt weniger zurückzahlen als sie aufgenommen haben, wodurch sich der „Zinssatz“ gewissermaßen ins Negative verkehrt.

Die ungarische Familienpolitik erschöpft sich jedoch nicht in den Wohnungsbau- und Familienförderungsprogrammen CSOK und CSOK+, sondern schließt unter anderem ebenso Einkommenssteuerfreibeträge sowie den Ausbau der notwendigen Infrastruktur mit ein. So hat sich die Zahl der Städte und Gemeinden, die über eine eigene Kindergrippe verfügen, in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht, wodurch sich die zur Verfügung stehenden Plätze mehr als verdoppelten. Die ambitionierte und natalistische Familienpolitik des Landes spiegelt sich auch im Haushalt wider. Zuletzt wendete Ungarn rund 5 Prozent seines BIPs für die Familienförderung auf. Eine Zahl, die in Europa wohl einmalig ist.